Jahresbericht 2013 – Spielwerkstatt Kleinhüningen
 
Blickt man auf das Jahr 2013 in der Spielwerkstatt Kleinhüningen zurück, mag man gar nicht glauben, dass es sich nur um ein Jahr handelte. Es war ein bewegtes Jahr, mit vielen Veränderungen, Personalwechseln, grossen Projekten, voll von immer neuen Überraschungen. Wir können sagen, dass das Jahr 2013 für die Spielwerkstatt glücklich zu Ende gegangen ist.
 
Aus der grossen Aufräum- und Entrümpelungsaktion gegen Ende des Jahres 2012 erwuchs viel frische Energie. Plötzlich war Platz da für neue Ideen und Projekte. Die gelichteten Räume öffneten gleichsam einen geistigen Raum, in dem unsere Arbeit und die damit verbundene Haltung neu diskutiert und reflektiert werden konnte. Alte Strukturen wurden überdacht, neue Ansätze besprochen, veränderte Vorgehensweisen ausprobiert. 
 
Eine für unsere Arbeit wichtige Einsicht hat sich innerhalb der vielen Teamsitzungen herauskristallisiert: Es müssen nicht alle Leiter immer am gleichen pädagogischen Strang ziehen. Im Rahmen offener Jugendarbeit darf sich die Offenheit auch in der Unterschiedlichkeit erzieherischer Haltungen seitens der Leiter spiegeln. Bestenfalls kann man, gar mit den Kindern zusammen, über die unterschiedlichen Herangehensweisen und persönlichen Eigenarten lachen. Voraussetzung dafür ist der gegenseitige Respekt, die – nicht zwingend bejahende - Anerkennung des Anderen. 
 
Die Stimmung im Team war getragen von einem fröhlichen Schwung, der bisweilen fast ins Ungestüme zu drohen kippte – etwa, wenn wir zwei Projekte gleichzeitig anfingen oder fünf verschiedene Dinge nebeneinander zu verrichten versuchten. Phasenweise wuchsen uns die neuen Projekte und das plötzlich sichtbar gewordene Mögliche beinahe über den Kopf. Da das Team der Spielwerkstatt jedoch zu einer guten Zusammenarbeit fand, konnten wir viele (Über-)Belastungen auffangen. 
 
Die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen hat sich auf sowohl inhaltlicher wie auch pädagogischer Ebene verändert. Bestehende Strukturen wurden gelockert und offener gestaltet. Regelsysteme versuchten wir möglichst niedrig zu halten, und wenn es denn klare Verstösse gab, auf diese nicht moralisch, sondern von Mensch zu Mensch zu reagieren.
Interessant war, wie die Kinder und Jugendlichen mit diesem neu aufgegangenen Freiraum umgingen. Anfänglich noch verunsichert über den plötzlichen Wegfall vieler Regeln und Sanktionen, verfielen sie nach und nach in ein Austesten unserer Belastbarkeit und deren Grenzen. Dass unsere Haltung aber alles andere als beliebig oder teilnahmslos ist, sondern vielmehr ein klarer Anspruch dahintersteckt, – nämlich sie lehren Konflikte untereinander auszutragen, Verantwortung zu übernehmen, Eigeninitiative zu entwickeln, sich selbst auszuhalten –, das wissen die Kinder inzwischen. 
 
Auf dem Felde der kreativen/gestalterischen Arbeit stellten wir beinahe dasselbe Muster fest. Wir sind bemüht, weniger Vorgaben oder Anleitungen zu liefern, die Rolle des Leiters nicht mehr als Verteiler tauglicher Rezepte zu sehen, sondern als Impulsgeber für eigene Ideen der Kinder und Jugendlichen. In diesem Prozess – einem nie ganz abzuschliessenden – stecken wir mittendrin.
 
 
Basel, im März 2014
 
Mathis Rickli