4. Januar, 2017

Raum

 ashley, 8 jahre
 
 
Manchmal sind wir selbst erstaunt, wie das geht. Fünfunddreissig Kinder - nicht wenige von ihnen mit einem explosiven Gemisch aus drängenden Bedürfnissen und Nöten ausgestattet - verbringen zusammen einen Nachmittag in der Spielwerkstatt und am Schluss stehen alle Wände noch an ihrem Platz.
 
Eigentlich, so müsste man meinen, brächte der Raumanspruch jedes einzelnen unserer Besucher unsere beschränkten Räumlichkeiten zum bersten.
 
Ein Grund ist darin zu finden, dass sich die Spielwerkstatt nicht nur auf eine bemessbare Anzahl Quadratmeter beschränkt. Bei der Betrachtung der entstandenen Arbeiten der Kinder kann man feststellen, dass sie sich häufig um Raum drehen. An kleinen gebastelten Häuschen wie an den grossen Welterschaffungsbildern lässt sich das deutlich ablesen. Im Grunde aber besitzen alle Produkte der Phantasie diese raumöffnende Qualität: sie erweitern den begrenzten Wirklichkeitsraum um den unendlichen Raum der Phantasie. Die in der Spielwerkstatt entstehenden Geschichten, Bilder und Melodien schaffen auf wundersame Weise Platz - Platz, der nötig ist, um all das aufzunehmen, was im realen Leben möglicherweise keinen findet.
 
Dort, in diesem geheimnisvollen Gefilde lässt sich die reale Welt durchspielen, auf ungekannte und vielleicht tröstliche Weise. Die Phantasie schafft so auf ihre Weise Zugang zu Welt, - buchstäblich: ‚Beweltigung’ der Zumutung, in jenen Räumen leben zu müssen, in die wir ungefragt gesetzt worden sind.
 
Die Arbeit in der Spielwerkstatt besteht darum wesentlich in der Ermöglichung und Würdigung genau jener fantastischen Räume – als  Möglichkeits- und Erweiterungsräume, und nicht selten auch als Blitzableiter der realen Welt.  
 
Und so geht es, geht es irgendwie, dass um fünf Uhr fünfundreissig Kinder nach Hause gehen, ein bisschen ruhiger vielleicht, und die Wände wie auch die Erwachsenen höchstens ein bisschen wackeln.
 
Mathis Rickli, Januar 2017
 
 
 
2. November, 2016

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2. April, 2016

Jahresausstellung: Eksperimente

 
Die Jahresausstellung der Spielwerkstatt Kleinhüningen im Roten Korsar ist glücklich zu Ende gegangen. 
Wir möchten uns bei allen Beteiligten herzlich bedanken: bei den Kindern, dem Projektteam, dem Verein Shiftmode, dem Verein Karawanserei und insbesondere dem Hirtenfonds, welcher einen grosszügigen finanziellen Beitrag an das Projekt leistete. 
Hier finden sie einige Eindrücke. 
 
 
 
 
11. Januar, 2015

Das Pflänzchen am Bildrand

 
Künstler malen nicht normal. Das weiss jedes Kind. Insbesondere die jungen Besucher der Spielwerkstatt verfügen über einen ausgeprägten, frühen Zynismus, was die Bezeichnung von Kunst betrifft. Augenrollend nennen sie entsprechend alles, was in ihren Arbeiten ein wenig schief herauskommt – missratene Perspektiven, unglückliche Farbgebungen, unbeabsichtigte Pinselspritzer – „Kunst“, meistens mit einem genüsslichen, spöttischen Blick zu uns Leitern, bzw. „Künstlern“. Wir, die wir in den Augen der Kinder als Künstler gelten, können uns eben nicht helfen. Das Normale interessiert uns mässig.
 
Bei der Betrachtung von entstandenen Werken wenden wir unseren Blick mit hartnäckiger Beständigkeit just jenen Stellen zu, die in den Augen der Kinder gerade nicht sehenswert sind. Nicht das glatte Comicmännchen, sondern der zufällige, aber kraftvolle Strich darunter zieht uns an. Nicht der Sonne und dem Haus widmen wir unsere Aufmerksamkeit, sondern dem wunderbar krakeligen Pflänzchen am Bildrand.
Der daraus sich entfachende Diskurs gerät im Lauf der Zeit zu einem kleinen komödiantischen Theater: mit schallendem Wehklagen empören sich die Kinder über unser Unverständnis, während wir achselzuckend auf unserem Standpunkt verharren, dass dies nun mal die interessanteren Stellen seien.
 
Im Frühlingsferienprogramm des vergangenen Jahres durften wir einen hinreissenden Moment erleben, in welchem diese Konstellation zu einer Umdrehung fand. Während zwei Wochen malten wir intensiv mit Pinsel und Staffelei, zuerst im Bereich des Stilllebens, wobei wir uns langsam in Richtung Abstraktion bewegten. Sie können es sich vorstellen: Die Kommentare, die sich die Kinder über ihre Bilder anhören mussten, die ernsthafte wie liebevolle Hinwendung zum vermeintlich Banalen, zum Detail, zum Missglückten - irgendwann wurde es ihnen zu viel des Guten und sie erklärten uns für nicht mehr ganz dicht.
 
Doch dann kamen die Eltern. Am letzten Tag veranstalteten wir abends eine kleine Vernissage. In den leeren, weissen Räumen hingen sie nun, die umkämpften Bilder, die wir in langen Diskussionen ausgewählt und aufgehängt hatten, ungegenständlich, abstrakt, manche monochrom, aber von hoher gestalterischer Dichte und Intensität. Die Eltern betrachteten die Werke mit leeren Augen, fast schweigend. Der Moment, als die Kinder in die Bresche sprangen, war unvergleichlich: Sie erweckten die Bilder zum Leben. Mit plappernder Unbekümmertheit erklärten sie die wesentlichen Stellen, wiesen auf die darin versteckten Geschichten hin, sprachen von Farben und Formen und davon, dass man ja fast ein bisschen blöd sein muss, das alles nicht darin zu sehen.
 
Dass dann später, nach der Vernissage, wieder Normalität einkehrte und das Comicmännchen wieder wichtiger wurde, beruhigte uns fast ein bisschen.
 
Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen herzlich alles Gute.
Mathis Rickli
 
 
28. Januar, 2015

Dokumentation "Sammelstelle"

 
 
 

Nach langer Zeit des Zusammenstellens, Verarbeitens und Schreibens ist es endlich soweit: Die Dokumentation unseres Kunstvermittlungsprojektes „Sammelstelle“ ist erschienen.
 
Das Büchlein mit dem dazugehörigen Film (auf SD-Karte) können Sie für 15 CHF gerne bei uns bestellen. Schreiben Sie uns dafür eine Mail an info@spielwerkstattbasel.ch.
 
Piet Eschs filmische Dokumentation der "Sammelstelle" finden Sie auch im Netz:
 
 
 
 
 
21. Januar, 2015

Rheinhatten? Molicity!

 
 
 
7. Januar, 2015

Wendungen

 
Innerhalb der Arbeit mit Kindern entstehen - selten genug - Augenblicke, wo sich das Rollenverhältnis Kind/Erwachsener bzw. Leiter umdreht. Meist sind es wunderbare Momente, die – lässt man sie zu - voll von Komik und versteckter Wahrheit sein können. Die verkehrte Realität vermag dann Dinge zu Tage zu fördern, die sonst gar nicht oder nur über Umwege hätten angesprochen werden können.
 
Ein solcher Moment geschah in der Spielwerkstatt während unserer letzten Arbeit.
Mit Kerzenwachs und Holzstäbchen bauten wir an einer grossen Wachswelt.
Die meditative Langsamkeit, welche vom Tropfen des Kerzenwachses ausging, hatte zur Folge, dass nicht nur die Kinder, sondern vornehmlich wir Leiter völlig in dieser Arbeit versanken.
Die daraus entstandenen Situationen waren getragen von einer unvergleichlichen Mischung aus Gemütlichkeit und feinem Schalk.
 
Mit der Entschuldigung, dass wir von dieser Arbeit dermassen absorbiert wären, dass wir heute leider keine Leiter sein könnten, übergaben wir die Aufsicht den Kindern. So sassen die Kinder um uns herum, schauten, dass nichts anbrannte und erzählten uns viel, während wir Leiter, in kontemplativer Versunkenheit, mit nur gerade einem Ohr zuhörten.
Dass die Kinder unseren Enthusiasmus an der eigenen Arbeit trotz allem nicht sabotiert, sondern diesem gar echten Respekt gezollt haben, nahmen wir staunend zur Kenntnis.
Es war dies der Moment, in dem die Kinder für eine kurze Zeit zu Erwachsenen wurden.
 
Für das neue Jahr wünschen wir Ihnen herzlich alles Gute.